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Olivia Amakye Women of Nuremberg ah:mi

"Frauen verdienen viel weniger als Männer,

das finde ich sehr unfair." 

Olivia Amakye

Sängerin

Olivia ist Sängerin und macht mit ihrem Kollektiv Flows for Hoes Hip Hop in Nürnberg und Umgebung.

Was wolltest du als Kind werden?

 

Olivia Amakye: "Als Kind wollte ich Sängerin werden, wie jetzt immer noch. Kurz hatte ich überlegt Pflegefachkraft zu werden, aber dann habe ich relativ schnell entschieden, mich auf meinen Traum, Sängerin zu sein, zu konzentrieren."

 

Wie sieht ein normaler Tag von dir aus?

"Ich stehe in der Früh auf, entsprechend der Schicht, die ich an diesem Tag habe. Dann gehe ich zur Arbeit, ich arbeite als Sales Advisor bei einem Brillenfachgeschäft. Wenn ich nach Hause komme, bin ich meistens so geschafft, dass ich etwas esse und dann kurz schlafe. Abends treffe ich mich manchmal mit Freunden oder beschäftige mich mit Musik, nehme etwas auf, frag Beats an, bespreche mit meinem Kollektiv Flows for Hoes die Planung für die nächsten Tage und dann ist der Tag meistens auch schon zu Ende."

Wie stellst du dir deinen perfekten Arbeitsalltag vor?

"Früh aufstehen, so viel schaffen wie möglich und ganz viel mit Musik. Studio, was aufnehmen, Nachmittag auftreten, abends für den nächsten Auftritt proben."

 

Was verbindest du mit dem Begriff Arbeit?

 

"Arbeit in Deutschland bedeutet für mich 8 bis 17 Uhr, Vollzeit und abends sehr müde sein und nicht mehr viel schaffen. Ich habe drei Jahre eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten gemacht und das war meine Erfahrung in dieser Zeit."

 

Was war bisher dein prägendstes Erlebnis im Zusammenhang mit Arbeit?

 

"Ich habe bei einem Musical mitgemacht. Es war zwar nur ein Hobby, aber wir haben ein Jahr dafür geprobt und am Ende war ich so glücklich, was wir auf die Beine gestellt haben."

 

Was ist für dich das größte Manko an der Arbeitswelt in Deutschland?

 

"Frauen verdienen viel weniger als Männer, das finde ich sehr unfair. Unsere Gesellschaft ist so strukturiert, dass Frauen eine Ausbildung machen, arbeiten gehen und dann ein Kind bekommen. Dann können sie nur noch Teilzeit arbeiten oder müssen nach der Elternzeit schauen, wo sie überhaupt noch genommen werden. Oder es gibt die Situation, dass Frauen um die dreißig, mit hoher Qualifikation, oft nicht für Jobs genommen werden, weil davon ausgegangen wird, dass sie bald schwanger werden. Diese Arbeitgeber wählen dann häufig lieber den Mann, weil davon ausgegangen wird, dass dieser potenziell länger im Unternehmen bleibt. Das ist in meinen Augen wirklich ein Problem."

 

Hast du in deinem Arbeitsalltag schon einmal Diskriminierung erfahren?

 

"Ja, während meinem FSJ im Klinikum. Dort hatte ich das Gefühl, dass meinen männlichen Kollegen, die ebenfalls im FSJ waren, deutlich mehr zugetraut wurde. Die hatten aber auch von Anfang an ein sehr selbstbewusstes Auftreten. Während der Berufsschule gab es dann noch drei Frauen, ich glaube alle drei von Land, die scheinbar noch nie zuvor eine Schwarze Person gesehen haben. Da gab es viele Lästereien und zum Teil wirklich rassistische Beleidigungen in meine Richtung. Eines Tages habe ich sie darauf angesprochen, sie haben dann aber alles geleugnet. Ansonsten, an meinem Arbeitsplatz, musste ich solche Erfahrungen aber bisher nicht machen."

 

Wie hat sich durch Corona dein Blick auf Arbeit verändert?

 

"Ich war drei Monate in Kurzarbeit und mir ist aufgefallen, dass ich auf jeden Fall arbeiten muss. Der geregelte Tagesablauf hilft mir insgesamt produktiver zu sein, ich habe in dieser Zeit nicht einmal besonders viel Musik gemacht. Durch die fehlende Struktur war ich oft müde, bin rumgehangen und dann war der Tag oft auch schon wieder vorbei. Ich Nachhinein hätte ich die drei Monate wirklich besser nutzen können."

 

Wie stellst du dir Arbeit mit dem Blick auf den restlichen Verlauf deines Lebens vor?

"Mein Ziel ist es irgendwann nur noch Teilzeit zu arbeiten, um mehr Zeit für die Musik zu haben. Ein Leben lang 9 to 5 wäre wirklich gar nichts für mich, das fände ich viel zu langweilig. Diese Einstellung haben viele Leute in meinem Alter und arbeiten bereits in Teilzeit, oder fangen ein neues Studium an, weil sie unter den Bedingungen einer 40-Stunden-Woche nicht arbeiten gehen möchten. Ich würde mir da mehr Flexibilität in der Arbeitswelt wünschen, dass man neben der Arbeit noch Zeit hat sein Leben zu leben."

 

Was gehört für dich zu einer gerechten Arbeitswelt?

 

"Am wichtigsten für mich wäre die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Betrifft natürlich das Gehalt, aber auch die Art und Weise wie Frauen behandelt werden. Es gibt immer noch viel zu viele Vorgesetzte, die sich gegenüber Frauen sexistisch und respektlos benehmen. Die nehmen sich das einfach so raus, weil sie Männer sind. Wenn eine Frau sich in so einer Situation beschwert, muss ihr auch geglaubt werden. Das gehört für mich zur Gleichberechtigung."

 

Was bedeutet für dich ein gutes Leben?

 

"Das zu tun was mir Spaß macht und am besten ein Leben lang. Nichts tun zu müssen, worauf ich keine Lust habe, es aber tun muss, um Geld zu verdienen. Das um mich zu haben, was mich glücklich macht und meine eigenen Entscheidungen treffen zu können. Und unabhängig zu sein. Denn das ist leider noch keine Selbstverständlichkeit, vor allem wenn man andere Länder außerhalb von Deutschland betrachtet."

Vielen Dank Olivia!

Interview: Carolin Wabra, Sabine Herberth

Foto: Carolin Wabra

Datum des Interviews: 23.07.2020