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Alba Wilczek Women of Nuremberg ah:mi

"Wenn Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Ansichten in den verschiedenen Branchen, Redaktionen und Büros arbeiten, profitiert man eigentlich immer davon."

Alba Wilczek

Journalistin, DJ, Moderatorin

Alba arbeitet als Journalistin bei Zündfunk des Bayerischen Rundfunks und betreut dort u.A. das Format "Workin' Germany", bei dem es um Arbeit in und an Deutschland geht. Außerdem ist sie DJ und organisiert Veranstaltungen in Nürnberg, wie zuletzt das vierwöchiges Online-Streaming-Festival NBG HIPHUB.

Ich fang an mit unserer ersten Frage. Was wolltest du als Kind werden?


Alba Wilczek: "Als Kind wollte ich tatsächlich schon Journalistin werden. Ich habe damals in Poesiealbum geschrieben, wo sich Klassenkamerad:innen und auch Lehrer:innen eingetragen haben. Und da steht tatsächlich Journalistin drin und in Klammern - Karla Kolumna. Ich war damals der totale Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg-Fan und fand die immer cool und siehe da - jetzt bin ich Journalistin. Irgendwie irre."


Würdest du uns mal mitnehmen, wie so ein normaler Arbeitstag bei dir aussieht?
 

"Das kann ich gar nicht genau sagen, weil ich einen Job habe, der sehr abwechslungsreich ist und ich im Moment, durch Corona, auch ganz viel im Homeoffice arbeite. Aber ich kann euch ja mal beschreiben, wie einen Tag im Januar aussah.
Im Januar habe ich mein Studium beendet und angefangen viel mehr beim Bayerischen Rundfunk zu arbeiten. Weil ich in Nürnberg wohne und der BR in München ist, habe ich mir eine Bahncard 100 geholt. Ich bin immer so gegen halb acht aufgestanden, bin dann zum Zug und dann die Stunde nach München gefahren. Dann war ich acht, neun Stunden dort. Je nach Arbeit, die ich gemacht habe, saß ich entweder am PC oder wenn ich den Instagram-Account betreut habe, halt am Handy und am PC. Abends bin dich dann so gegen 18, 19 Uhr wieder heimgefahren. Jetzt im Homeoffice ist das natürlich anders. Ich stehe auf, setze mich an den Tisch, bin am Handy oder am Laptop und bin ziemlich viel digital unterwegs.
Ich arbeite in der Regel fünf Tage die Woche, auch im Homeoffice. Es gibt zwar Wochen, in denen arbeite ich in einer Woche auch nur zwei oder drei Tage oder auch mal nur einen Tag. Dann gibt es wieder Wochen, in denen arbeite ich auch abends, wenn ich zum Beispiel auf Instagram Community-Management mache. Dann beantworte ich Kommentare und Fragen der User und Ähnliches. Oder ich arbeite auch mal am Wochenende. Es ist, wie gesagt, sehr abwechslungsreich."


Wäre das auch der perfekte Arbeitsalltag für dich oder wie sollte der perfekte Arbeitstag aussehen?


"Also sowohl im Homeoffice, als auch in der Redaktion zu arbeiten, hat seine Vor- und Nachteile. Im Homeoffice ist es nicht weit zu meinem Arbeitsplatz. Ich habe mein eigenes Zeug dabei und kann mir immer etwas Gutes in der Mittagspause kochen. Nach der Arbeit kann ich dann auch noch spontan etwas mit Freund:innen unternehmen. Wenn ich ins Office fahre, sehe ich dafür meine tollen Kolleg:innen, die ich alle sehr gerne hab. Ich mag auch das Gefühl mein Zuhause und meinen eigenen „Space“ zu verlassen, um zur Arbeit zu gehen. Und wenn ich dann aus dem Büro komme ist die Arbeit „done for the day“. Beim Homeoffice verschwimmt das manchmal ein bisschen, was mich manchmal auch gestresst hat. Ich kann mir zwar selber die Zeit einteilen und dann tagsüber sechs Stunden arbeiten und mich dann abends nochmal zwei Stunden hinsetzten, aber das bringt auch ein bisschen was durcheinander. Deswegen finde ich, hat beides Vor- und Nachteile. Aber mein Job und der Arbeitsalltag sind für mich perfekt, weil ich den Job, wie man jetzt auch mit Corona sieht, von überall machen kann. Ich brauche einfach nur einen PC und Internet."


Was bedeutet für dich Arbeit bzw. der Begriff Arbeit?


"Für mich bedeutet der Begriff Arbeit etwas, was ich mache, wofür ich Geld bekomme. Ganz simpel. Aber es ist aber auch meiner Berufswahl zu verdanken und dass ich mich nochmal umorientiert habe, denn jetzt ist Arbeit für mich auch Spaß. Etwas das ich gerne mache, das mich weiterbringt, das mich erfüllt. Und nach diesem bekannten Motto: Wenn du liebst, was du arbeitest, dann arbeitest du keinen einzigen Tag in deinem Leben. Das stimmt schon ein bisschen bei mir. Deswegen ist Arbeit für mich nichts, was ich machen muss, damit ich über die Runden komme, sondern es macht mir auch wirklich Spaß und gibt mir viel zurück."


Was ist das größte Problem, das du dennoch in der Arbeitswelt siehst?


"Die Profitorientiertheit und, dass viele Entscheidungen deswegen getroffen werden. Dann, dass noch zu wenig "aufgeklärt" wird, warum es wichtig ist, dass Frauen auch in Führungspositionen sind, dass Frauen gleich vertreten sind wie Männer. Der intersektionale Ansatz fehlt mir oft, weil wir eigentlich nur davon profitieren können, wenn wir verschiedene Sichtweisen in einem Team haben. Wenn Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Ansichten in den verschiedenen Branchen, Redaktionen und Büros arbeiten, profitiert man eigentlich immer davon. Leider sehen das viele Menschen einfach noch nicht und ignorieren es. Oder sie sehen es vielleicht, aber es ist immer nur dieses einfache "Ja, okay. Wir müssen mehr Frauen einstellen", ohne eigentlich zu verstehen, was dahintersteckt und dass die Arbeit auch so viel zurückbekommt, wenn andere Lebensrealitäten vertreten sind."


Hast du selbst schon mal Diskriminierung in deinem Arbeitsalltag erfahren?


"Dazu vorweg - ich bin eine weiße Frau, die in einer sehr bunten und für den Bayerischen Rundfunk auch diversen Redaktionen arbeitet. Deswegen habe ich das Glück, dass viele unserer und meiner Kolleg:innen einfach sehr aufgeklärt sind, wir sehr respektvoll miteinander umgehen und alle einen intersektionalen Ansatz in ihrer Arbeit und ihrem Alltag sehen. Was ich manchmal von älteren Kolleg:innen erlebe, ist ein wenig Altersdiskriminierung. Es gab ein paar Situationen, wo ich gemerkt habe, dass sie mir Sachen nicht zutrauen und vielleicht denken: „Ach, die kleine Maus. Die ist noch so jung, die schafft das nicht“. Aber das war nicht bei mir in der Redaktion Zündfunk, sondern in anderen Redaktionen. Das habe ich manchmal gespürt, aber das sind wirklich Peanuts. Ich habe das große Glück, dass ich noch nicht wirklich diskriminiert wurde innerhalb meiner Arbeit."


Wie stellst du dir deine Arbeit in Bezug auf den restlichen Verlauf deines Lebens vor?


"Ich hoffe jetzt erst mal, dass es so bleibt, weil es mir viele Freiheiten gibt, so wie ich im Moment arbeite. Ich glaube schon, dass ich irgendwann Kinder haben möchte und wenn ich in diese Lebensphase komme, dann möchte ich vielleicht doch ein bisschen mehr Sicherheit in bestimmten Dingen. Aber wer weiß, wo es mich noch hinträgt. Ich hoffe aber, dass es noch ein bisschen mehr Sicherheit gibt.
Ich würde mir auch wünschen, dass jungen Menschen nahegebracht wird - auch in Bezug auf Arbeit - wie wertvoll es ist, auch langfristig zu denken und vielleicht auch Rücklagen zu schaffen. Das wir über dieses Thema vielleicht noch mehr sprechen, weil ich da zur Zeit schon viel daran denke und mich informiere.


Und was wünsche ich mir noch? Dass ich immer viel Spaß in meiner Arbeit habe. Ich möchte nie einen Job haben, den ich einfach mache, damit Geld reinkommt. Ich habe auch das Ziel, dass ich mich nicht verpflichten muss, irgendeinen Job zu behalten, weil er genug zahlt. Ich hoffe, ich komme nie in diese Situation, sondern ich kann das machen, was mich erfüllt und davon mein Leben bestreiten. Das ist natürlich ein Goal das viele haben. Ich will schon noch irgendwie bisschen was erreichen und werde jetzt noch einen Master machen, mich noch weiterbilden, viel Neues lernen und mal schauen, wo es mich noch hinführt."


Was denkst du über die 40-Stunden-Woche?


"Ich persönlich komme gut damit klar. Ich sehe aber zum Beispiel bei meiner Mama, die immer sehr hart gearbeitet hat, dass ihr ein freier Tag sehr gut tut. Durch Corona müssen ja viele jetzt in Kurzarbeit arbeiten – was natürlich schlimm ist -  aber es gibt auch gute Seiten und man liest und hört von vielen, dass es ihnen auch gut tun kann einen Tag in der Woche weniger zu arbeiten und länger Zeit für sich zu haben. Und zwei Tage Wochenende sind schon sehr kurz, wenn man es mal so betrachtet. Fünf Tage schuften, zwei Tage frei. Und ich erlebe es ja auch, wenn ich die Schicht habe, in der ich um 11 Uhr anfange und bis 19:30 arbeite, dann ist es abends auch schwierig noch etwas zu unternehmen. Und da ist es dann schon schön noch ein Tag länger frei zu haben. Also bin ich ein bisschen zwiegespalten. Ich glaube, auf jeden Fall ist die 32-Stunden-Woche oder die 30-Stunden-Woche ein Konzept, das man ausprobieren könnte und sollte. Ich kann mir vorstellen, wenn die Leute mehr Zeit für sich haben, würden uns manche Konflikte vielleicht erspart bleiben. Auf der anderen Seite sehe ich aber auch, dass oft viel Arbeit da ist und dass man auch fünf Tage in vielen Jobs braucht und eigentlich immer noch nicht fertig wird."


Was gehört jetzt für dich zu einer gerechteren Arbeitswelt?


"Für mich gehört zu einer gerechteren Arbeitswelt, dass mehr Perspektiven sichtbar werden und gesehen werden, dass mehr Gleichberechtigung gelebt wird und natürlich, dass mehr Frauen repräsentiert werden. Dann wünsche ich mir, dass niemand mehr aufgrund des Geschlechts, aufgrund von sexuellen Vorlieben oder der sexuellen Orientierung, der Herkunft, Religion oder Hautfarbe diskriminiert wird. Dann sollte es in der Arbeit einfach darum gehen – „Was kannst du? Welche Fähigkeiten bringst du mit? Kannst du den Job erfüllen, so wie wir uns das vorstellen?“ Und nicht: „Hm, okay du bist eine Frau, du bist nicht weiß - du kannst das nicht“. Das sind ganz grundlegende Sachen, die für mich nicht in Ordnung sind. So sollte unsere Arbeitswelt nicht sein.  


Dann sind wir auch schon bei der letzten Frage. Was bedeutet für dich ein gutes Leben?


"Ups and Downs. Viel Musik und ein Haufen lieber Menschen um mich herum."

Vielen lieben Dank, Alba!

Interview: Carolin Wabra, Sabine Herberth

Foto: Carolin Wabra

Datum des Interviews: 13.08.2020